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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Elegie

Der Widerwille zieht mir
weh durchs Verch:
die Dunkelheit, der kalte Regen.
Da ist kein heller Horizont,
kein Ziel. Der Sinn
ist mir versunken,
ertrunken in
der düstren Flut.
Nur Nässe, Ekel, Widerwille.
Und nasse Tücher
kleben an der Seele,
die sich bewegt, die
leben möchte,
heraus an Licht,
an Luft, an Freiheit
und Gefühl -
doch nur mit glitsch‘ger Hand
hinabgezogen in den Schlund.

Wer denkt noch, Gott,
an Dich! Wer hilft noch
mitzubaun die
Welt des Lichts,
der Schönheit
und Geordnetheit,
des Rechts, der Klarheit
und des Sinns -
in der es sich zu leben lohnt!?
Da starren nur die
Reihen gier‘ger Augen,
hinter den schlecht verhohlenen
Gardinen kaum versteckt,
und brennen, Haß und Neid
und Gier und Mordlust
in den Seelen,
tödliche Löcher mir
ins nackte Fleisch.

O Gott, o Weh der Welt -
worin bin ich denn schuldig
gegen sie!

Als daß ich niemals
lache, wenn von Dir
gesprochen wird.
Als daß ich mich von Dir
geschaffen weiß.
Als daß ich nicht,
die Angst bekämpfend,
mich zum Chorus stelle
und lauthals mit ihm
schrei' im düstren Wald,
sich suggerierend,
stark zu sein.
Als daß ich, aus
vermeintem Königsmord,
nicht das Gefühl
der Stärke zieh, in ständiger
Beschwörung, wechselweis,
und wiederholend
ewig, drogenhaft, ein
Kreisel, der nur lebt,
solang er dreht,
geballte Schwäche um
in Stärke lüg' -

Da hallt die Leere,
Inhalt - nur der Schrei
der Angst in ihr -
sonst grausig hohl.

Wer anders denkt,
der zieht die Maske ab -
und tötet durch
die Nacktheit, die
er zeigt. Der Haß
verfolgt den, der
die Lüge so benennt.

(15.9.1994)

 


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