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Hans-Günter Marcieniec
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Zum sog. "klassischen Kunst-Stil"

Ein immer wieder zu hörendes Urteil behauptet: die Möglichkeiten zur Formgebung im Stile der sog. klassischen Kunst (z.B. in der Musik) seien ausgeschöpft, er-schöpft. Aus welchen Urteilen die Legitimation für nicht-klassische Kunst gezogen wird.

Ich halte letzteres für unberechtigt. Form existiert ja nicht um ihrer selbst willen (zumindest sollte sie das nicht), sie "transportiert" etwas. Ist Ausdruck für etwas. Ist eine Welt-, eine Lebenssicht, ist eine Sinn-Deutung.

Es müßte den Menschen doch einmal möglich sein, sich zu einer als gültig erlebten Weltsicht zu bekennen. Und wenn das, wie es tatsächlich ist, die klassische wäre. Warum muß die, indem ich unbedingt eine andere Formensprache anstrebe, damit verlassen werden!? Ist der tiefere Grund dafür vielleicht der, daß ich dem Anspruch, den ich aus einer klassischen Weltsicht spüre, ausweichen will, weil ich mich ihm nicht gewachsen fühle? Und sind all die nicht-klassischen Kunst-Stile im Grunde nichts anderes als der Versuch, alle Möglichkeiten für eine scheinbare Alternative zum Klassischen durchzuspielen, um irgendwann am Ende zu erkennen, daß mit Anspruchslosigkeit die Welt nicht zu gewinnen ist? Das würde eine Renaissance des Klassischen erwarten lassen - und damit ein Ende "des Dichters in dürftiger Zeit" - wie es schon Hölderlin formulierte.

(29.6.1995)

 


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