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Hans-Günter Marcieniec
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Zur sog. Verstandes-Kultur

Man verbringt Stunden und Stunden damit, sich "gesellschaftlich" zu amüsieren, "anspruchsvolle" Rätsel zu raten. Z.B. ein Gedicht, möglichst wenig bekannt, ist zu erkennen, der Verfasser zu wissen etc. Wer das rät, darf sich der - manchmal neiderfüllten - Bewunderung gewiß sein. Und? Was ist eigentlich geschehen? Aus der unüberblickbaren Fülle der Welt hat jemand etwas Bestimmtes erkannt! Hätte er auch das Danebenliegende gewußt? Vielleicht, vielleicht nicht. Und - was wäre mit dem einen, was mit dem anderen bewiesen? Worauf also beruht das Verdienst eines solchen Raters? Daß er etwas gewußt, gekannt hat, was andere nicht wußten.

Das gleiche Schema liegt denen zu Grunde, die in der Welt umherreisen, um dann den Daheimgebliebenen Orts-, Städte-, Flüsse-Namen etc. aufzählen zu können. So ist's auch mit den beliebten Weinproben. Wer eine besondere Lage, einen besonderen Ort, einen bestimmten Jahrgang zu nennen weiß - ist "Spitze". Dasselbe Schema liegt solchen erfolgreichen Unterhaltungssendungen wie "Wetten, daß ..." zugrunde: 100 Parfümsorten am Geruch erkennen! 100 Sportwagen am Motorgeräusch, etc., etc. Erstaunlich - aber was bringt das alles an Sinnhaftigkeit fürs menschliche Leben?? Die Fahrpläne der angeblich wichtigsten Zugverbindungen im Kopf haben! Ein Telefonbuch auswendig "können"! Etc., etc.

Alles Beweise für erstaunliche Leistungen des Verstandes. Dieser also - der Sinn an sich? Aber: wo bleibt die Sinn-gerichtetheit solcher "Leistungen"?

(7.5.1995)

 


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