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Hans-Günter Marcieniec
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Zum Problem des Verhältnisses von Geistigkeit und Körperlichkeit

Wesentlich und entscheidend ist nicht die Verwerfung der Materie, sondern ihre Sinngerichtetheit und Sinnbestimmtheit. So ist körperliche Liebe, als Beispiel, etwas Wunder-volles, wenn sie getragen, eingebettet ist in eine umfassende Liebe - in Verantwortung gegenüber dem Urgrund allen Seins. Alles rein körperliche Begehren - das es ja gibt und dessen Vorhandensein zu leugnen realitätsfern wäre - alles rein körperliche Begehren ist, abgelöst von einer umfassenden Liebe, nur um seiner selbst willen - verantwortungslos. Es kann ja nicht von ungefähr sein, daß z.B. der Hinduismus die körperliche Liebe - und zwar in höchster Differenzierung und Raffinesse - als etwas Göttliches und Vergöttlichendes kennt. Man kann das nicht einfach als "Unanständigkeit" oder "Pornographie" abtun: möglicherweise entlarvt man sich damit nur als jemand, der das Göttliche des Geschlechtlichen und der Lust an ihm nur, wenn auch öffentlich rigoros ablehnend, als Selbstzweck zu sehen vermag, also eigentlich genau für das steht, was er meint ablehnen zu müssen.

Eine Traurigkeit, daß wir gegenüber diesem Aspekt dieses Problems durch jahrhundertelange Verbildung so unfähig zur ganzheitlichen Liebe geworden sind. Es geht uns Unwiederbringbares verloren.

(21.2.1995)

 


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