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Hans-Günter Marcieniec
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Eine Talk-Show

Anwesend: die Brüder Bockelmann. Einer davon, fast 60, bekannt unter dem "Künstler-Namen" Udo Jürgens. Dieser reitet eine Attacke gegen den Papst, die Kirche - die Religionen. Begründung: sie verhinderten eine Geburtenregelung als durchgreifendes Mittel gegen eine "wahnsinnige" Übervölkerung. Alle Probleme unserer Zeit werden auf sie zurückgeführt. Nicht einmal der Gedanke, ob nicht ungerechte Verteilung aller Güter (Lebensmittel, Geld, Bildung etc.) die eigentliche Ursache ist. Kein Wunder bei einem Mann wie Jürgens: erfolgsverwöhnt, reich, luxuriös. Aufschlußreich die Erinnerung seines jüngeren Bruders, daß Udo als Kind Utopien von einer Weltherrschaft entworfen habe! Und: niemand hat Jürgens einmal tiefenpsychologisch befragt. Z.B. ob seine - geradezu radikal-fanatisch vorgetragene - Attacke gegen die Kämpfer gegen allgemeine Geburtenregelung, insbes. Empfängnisverhütung, nicht ihre natürliche Erklärung in seinen vielen amourösen Affären mit Teen-Agern und anderen jungen Bewunderinnen findet.

Was hat ein Mann wie er schon für einen Draht zur Religion, der sich selbst wie eine Art "Heiland" empfindet? Hier waltet der Konkurrenzneid eines sich selber zum summum bonum emporstilisierenden Flachkopfes, der Arroganz eines Egomanen.

Und: welches gigantische Manko von Verantwortung! Als Multiplikator für Millionen anderer Flach- und Schwachköpfe reißt er die ohnehin brüchigen Gewissen und Unrechtsbewußtseine weiter in den Abgrund. Eine unselige und unheilige Allianz mit Leuten wie Drewermann - und fast allen Anwesenden sog. VIPs dieser Talk-Show: der Moderatorin Alida Gundlach, dem Bergsteiger Meßner, der Schriftstellerin und Ärztin Esther Vilar.....

Einzig sein Bruder, Maler und Fotograf, widerspricht, zaghaft, aber sehr fest, dem Anathema gegen die Religion. Aber seine Begründungen: wolkig. Nach dem Nutzendenken gehend: viele Menschen fänden in ihr einen Halt. Also deshalb, nicht eo ipso. Er redet von der Stille, die er für sich für unerläßlich hält. Aber - er stößt nicht zu der Erkenntnis durch, wofür "Stille" steht. Er spürt nicht, daß er eine Metapher fürs Eigentliche hält.....

(10.9.1994)

 


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