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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Kultur und die Welt des Elends

Ein Spätfilm, der die Unentrinnbarkeit der Vernetzung von Armut, Ungebildetheit und Verbrechen zeigt. Die Subkultur einer Welt der humanen Verkommenheit bzw. des verkommenen Humanums. Die Unmöglichkeit, ihr zu entrinnen, wenn zu viele konstituierende Faktoren zusammenkommen. Man möchte angesichts einer solchen Realität verzweifeln. Möchte alle sog. klassische Bildung als Schönschwätzerei abtun. Und doch - das wäre der absolute Reinfall auf die versucherischen Einflüsterungen Mephistos: "Dann hab' ich Dich schon unbedingt!" Wir müssen, wie Hölderlin, seiner zweifelnden Frage: "Wozu Dichter in dürftiger Zeit?" widerstehen. Wir müssen, auch als kleine Gruppe Unverzagter, arbeiten an dem Bild vom Menschen als einer Möglichkeit! Was ist den nach Sinn lechzenden Menschen damit geholfen, wenn sie sich durch die ihnen dauernd vorgestellte Misere, in der sie ja selber stecken, nur in ihrem - vor allem geistig-seelischen - Dilemma bestätigt werden?! Das ist, als zeigte man einem Gefangenen unentwegt einen als Trost, Ausweg, Sinn gemeinten - Käfig. So wohl auch H.-M. Z. - im Unterschied zu seiner Frau U. Wir müssen Bilder schaffen und errichten wie das Goethe‘sche "Das Göttliche" u.a.m. Auch auf die Gefahr hin, sie als besänftigende Droge mißbraucht zu sehen. Aber: Wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch.

Wir erleben zur Zeit eine gigantische Koalition derer, die - aus unterschiedlichsten Gründen - nicht bereit sind, Abstinenzen zu leisten - sondern sich selbst als letzten und einzigen Sinn betrachten. Sie heben alle traditionellen Sinn-Bilder aus den Angeln mit dem unwiderlegbaren Argument: diese hätten die Mängel unserer Welt ja nicht zum Positiven hin zu verändern vermocht! Aber: genau in diesem Argument entlarven sie nicht diese Sinn-Bilder, sondern sich selber als das, was sie sind: nämlich Menschen, die ihre eigene Verantwortung nicht sehen, weil sie diese nicht sehen wollen, weil sie nämlich sonst vor der unangenehmen Situation stünden, sich selber in die Pflicht nehmen zu müssen - mit Verzicht, Kreuztragen, Selbstkritik, Selbsterziehung etc.

(10.9.1994)

 


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