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Hans-Günter Marcieniec
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Konfessionen
Ausgewählte Prosa-Skizzen und Gedichte aus den Jahren 1990 - 95




Zur Frage des Scheinarguments für die angebliche Widerlegung der Allmacht Gottes.

Die sophistische (verstandesmäßig spitzfindige) Frage, ob Gott, der doch angeblich allmächtig sein solle, fähig sei bzw. die Macht habe, einen Stein zu schaffen, den er nicht zu heben vermöge, läßt - läßt man sich auf die Argumentationsebene der Sophistik (der vordergründig logischen Denkweise) ein - nur zwei Antworten zu, die beide die Allmacht Gottes zu widerlegen scheinen:

entweder man bejaht, daß Gott selbstverständlich jeden Stein zu schaffen vermöge - aber damit bejaht man zugleich - gemäß des attributiven Satzes zum Stein - daß Gott diesen von ihm zwar geschaffenen Stein nicht zu heben vermöge, was eine Widerlegung der Allmacht Gottes wäre;

oder man verneint - im Hinblick auf den Attributsatz- daß er einen nicht hebbaren Stein zu schaffen vermöge - dann wäre seine Allmacht (scheinbar) ebenfalls widerlegt.

Wer nun aber glaubt, damit Gottes Allmacht widerlegt zu haben, soll folgendes zur Kenntnis nehmen - um es, im idealen Falle, im Prozeß eigenen Nachdenkens zu überprüfen:

die gestellte Frage zur beabsichtigten Widerlegung der Allmacht Gottes ist das Produkt menschlichen Verstandes. Es folgt den Regeln und der Gesetzmäßigkeit einer verstandesmäßigen Logik. Als da, z.B., sind: die Regel der Widerspruchsfreiheit (A kann nicht B sein); die Regel der Kausalität; die Regel der Relation; die Regel der Bedingung und die der Folge (wenn das so ist, dann ergibt sich daraus das und das) usw., usw. Eine Gesetzmäßigkeit, die in der Welt der endlichen Dinge gilt.

Die "rein" logische Denkweise ist jedoch durch die dialektische Philosophie (insbes. Hegel), dann - im atheistisch-materialistischen Lager (durch Marx u.a.m.) ihrer generellen Geltung enthoben worden. Bereits sie hat gelehrt, daß z.B. das Gesetz der Widerspruchsfreiheit nicht immer und überall gilt, ja - daß das Gesetz des Widerspruchs geradezu das der menschlichen Geschichte ist.

Schon ganz und gar im Bereich des Nicht- und Überirdischen gilt das Gesetz der Widerspruchsfreiheit nicht. Denn im Bereich des Nichtirdischen sind alle für das Irdische geltenden Widersprüche "aufgehoben". D.h. sie sind als Potentialität zwar vorhanden (denn im Nichtirdischen ist alles, was irgend möglich ist, vorhanden), aber nicht konkret materialisiert - und in dieser Materialität - mit ihrem jeweiligen Eigengewicht und dem Hang, sich als solches von allem anderen abzusetzen und sich als solches zu verabsolutieren - eben nicht von allem anderen abgegrenzt, sondern im All-Einen noch vereint.

Während es im Irdischen Tod und Leben nie vereint, sondern immer nur getrennt gibt, sind Tod und Leben im Überirdischen aufgehoben.

(1992)

 


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