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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus den Jahren 1961 - 1974




Versenkung

Wenn es gelänge,
einmal mit ganzer Seele zu lauschen -
so säh‘ man,
wie in der Sonne des Sommers
der Bienenstock kocht.
Wie Würmer
mit graziler Beschwertheit
weiche Bahnen
in Wege einschleifen.
Man hörte,
wie aus dem Dickicht des Flieders
mit zarter Härte
das Rotkehlchen girrt.
Spürte, wie die wärmere Luft
murmelt flimmernde Zauberformeln
über den lichtdürstenden Blumen.
Ahnte, wie sich
aus Höhen des Himmels
wolkichter Schaum, kaum sichtbar,
gebiert.

Müdigkeit gießt dann die Glieder
liebevoll langsam
mit schwerem Blei aus,
und das lächelnde Auge
schließt sich verstehend.
Langsam kreisen
der geöffneten Seele
Kugeln goldenen Lichtes vorüber.
Und in den durchleuchteten Lidern
pulst des Lebens purpurnes Blut.
Eine gläserne Landschaft wächst
herauf vor den hellwachen Sinnen,
vor strahlendem Goldgrund
der mystischen Tiefe
spielen schimmernde Ornamente,
und als schwärzliche Linien und klar
zeichnen Töne die lebhafte Umwelt.
Kaum nur halt ich den goldnen Gedanken,
der mir wie ein schüchterner Falter
um die erfüllte Seele schwirrt.

(aus 1974)

 


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