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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus den Jahren 1961 - 1974




Unvergängliche Ruine

Von Furcht gepackt, von Sünd zerfressen -
so schaut mein Spiegelbild mich an.
Ein Antlitz, das ich nie vergessen
in Freude und in Frohsinn kann.

Die Spielerei und Leichtgebärde
verdecken, was so elend nackt,
daß den, der mir ein Mitmensch werde,
nicht Grauen bei dem Anblick packt.

Ich aber in den vielen Stunden,
die ich mich aus der Menschheit stahl -
ich hab vor meiner Sünde Schrunden
mich übergeben manchesmal.

Ich hab gestarrt, ich hab gewimmert.
Ich hab mich angespien, verflucht.
Ich hab vor Ekel es zertrümmert -
und hab es wieder aufgesucht.

Zwei Säulen fand ich in den Mienen,
aufragend aus dem Trümmerfeld.
Die einzgen Reste in Ruinen,
inmitten einer öden Welt.

Von schwarz Gerank die ein' umkrochen,
die andre klar und marmorlicht.
Der Giebel, der sie band, zerbrochen
am Boden, so als gab's ihn nicht.

So steht, was Eins war einst, zerrissen,
zwei Welten, kein Verbindungssteg.
Der Himmel nur, im Ungewissen,
wagt zwischen ihnen einen Weg.

(aus 1974)

 


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