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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1950) - Eine Auswahl




Wahrheit der Welt

Bin ich ein Weib,
daß ich so herzzerreißend weine ?
daß ich vor Wehe
nicht mehr weiß – wohin ?

Mich wirft‘s umher :
das frech verratne Reine,
zu dem ich Stund um Stund
gestrebet bin !

"Wozu das alles,
was Du hier beginnest !?"
so hohnlacht‘s mir –
ich möchte schrei‘n –

"Die Kräfte, die fürs
Gute Du gewinnest,
werden schon bald
verschwendet sein !"

Das Schlechte kommt
mit unverhüllter Stirne
und wuchert frech
das Gute tot –

Du strebst ! Inzwischen
geilt die Dirne.
Sie wird belohnt –
Du selber kargst in Not.

Wozu das alles ?
all das harte Streben ?
das Schlechte kommt
und raubt Dein Oberkleid,

tänzelt vonhinnen –
strahlend hell umgeben
von Deinem Rock –
weh ! die verlor‘ne Zeit !

Doch – halt : sag‘ mir :
Bin ich denn diese Hülle,
die dorten prunkt –
doch einst zerschlissen wird !?

Lebt denn in mir nicht
jener innre Wille,
der in sich ist und wächst,
ganz unbeirrt ?

Und mögen sie mich höhnisch
nackt nun glauben,
schutzlos – und preisgegeben
ihrer Macht :

Sie können mir den Mantel,
mich nicht rauben !
Gutes ist gut –
und nicht nur gut gemacht.

 


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