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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1950) - Eine Auswahl




Herbstlied

Wie strahlend auch der Himmel blaut –
das Fenster tränt perlende Tröpfchen,
wie Eis –
Du fühlst : es ist kalt.

Und draußen !
Wirbelnd wirft der Staub
sich Dir entgegen,
quirlt vorüber, eilig,
wirft sich nieder,
zuckt wieder auf
und läuft,
ganz wie im Spiel.

Und im Haar
hockt Dir der tolle Wind,
hämisch kichernd,
greift mit eisigen
Spinnenfingern
Dir hindurch.

Die Pappeln flirren silbrig,
wie klingelnde Schellen
sind ihre Blätter,
unwillig bocken sie
dauernd zurück –
da kreischt der Wind vor Lust
und beugt sie tief.

Die Felder und die Bäume
sind wie ein frisches Grab :
bleiche Erde
und vergilbte Kränze
und hängende Sträuße,
raschelnd –

auch die Häuser
fahlten nie so aus,
so bleich und weiß,
blutleer.

Du fühlst –
es ist kalt.

 


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