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Hans-Günter Marcieniec
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Internet: http://www.marcieniec.de


Ich singe das Leben .....

Gedicht-Zyklus
(1950)


 

1.

Ich möchte wieder einmal singen,
obwohl mein Körper den Schlaf ruft
und die nächtige Stille in
dunkelen Wogen
schweigend durchs Fenster wallt.

Ich möchte wieder einmal singen –
und entblöße meinen Körper
in den herbstigen Hauch der Nacht
und kühle meinen Verstand
und halte mein Herz wach –
und singe zu Euch,
damit nichts zu spät ist,
Ihr Menschen :
Seid Ihr es noch ?

Ihr alle, die Ihr mit giftigem Finger
und dem Blick einer Schlange
mich stecht ?
Mich Luzifer nennend
vor dem willigen Lauschen der Menge.

Sie verbrennt mich, dumpf murrend,
jawohl, weil sie muß –
doch ihre Herzen
verbrennen mich nicht !

Und Ihr täuscht Euch
mit krampfhaft verpreßten Augen
über die Schluchten hinweg
Eurer Angst, Ihr wenigen Herrscher !
Armseliges Gelichter der Furcht :
Aus Furcht um Euch selbst
dröhnt Ihr der Masse
die Furcht vor Euch.

Wo ! wo seid Ihr hingeraten !
Schon lange zog‘s Euch hinab,
die Versuchung,
denn die Lust des rasenden Ich
giert nach mehr.

Schon lange zog‘s Euch
in goldene Villen,
in Luxus und Pracht,
schon lange seid Ihr
nicht würdig !

Und in Glanz und Pracht,
unter flimmernden Kerzen
will ich unter Euch treten,
will stehen,
den Finger erhoben :
Es schalle durchs Haus !
Es rüttle Euch wilde im Mark !
Es schaudre Euch heilig durchs Herz –
wie Weihnachten einst als Kinder !

Ich singe das heilige All,
singe die wogende Nacht,
der selbstvergessenen Sterne Gesang.
Ich singe den fingrigen Wind,
der mir im Haare hängt.
Ich singe die Schönheit der Welt :
den Vogel, den Baum,
ich singe
die blauende Weite der Welt.

 

2.

O die weite Sicht über
Dächer und Fluren –
wie vom Falkennest
steh ich im Turm,
und der Höhenwind schaudert mir
selig durchs Herz,
und der Flug ist ein Muß –
kein Zaudern gilt mehr.

O der segelnde Mond –
wie er an Rändern zerfällt
rieselnd in silbernem Licht
schwimmt übers Dunkle er hin.

O erst die Enge der Stube,
Balken über dem Haupt,
alles preßt auf Dich ein,

Wände stürzen zusammen –

ach ! wie atmest Du Sehnsucht
nach der Freiheit der Welt !

 

3.

Ich liebe gefällige Glieder
im Weichsein innerer Freude.
Den duftig-beschwingten Tanz
aus Selbstgefühl innren Besitztums.
Die maßvoll verhaltene Lust
darüber, daß man ein Mensch ist.

O Menschen – ein Mensch !
Seid Ihr es noch ?

Das alles singe ich Euch,
der Schönheit ganz hingegeben.
O höret, Ihr Menschen, mein Werben,
wie Sonnenduft um dunkle Bäume.
Höret das Leichte, das Feine,
eh‘ Ihr mit donnerndem Wüten
an Grenzen Euch Schädel zerspellt.

 

4.

Hohe "Minister" ! –
welches Spiel spielt Ihr unter Euch –
den Völkern verbrämend
als weise Verrichtung ?

Und seid wie Kinder doch
auf dem Spielplatz :
Jedes fiebert nach dem Zeug,
das in anderen Händen
erst seinen Wert gewinnt.
Und sei‘s auch schon so vernünftig :
mit innerlich zuckenden Händen
steht’s Kind und mit starren Augen
wie auf das Ziel gebannt –

so auch Euere Sinne :
die fliegen in höchsten Kreisen,
und alles macht Ihr nur
besser als andre –
und verschlingt den himmlischen Wert dort –
dort, und immer nur bei dem andern.

Erst redet betörend Ihr,
leis zitternd der Ton,
bald schon drängend,
dann sucht Ihr nach List,
zum Ende nach der Gewalt –
und bebend bergt Ihr die Beute.

Und habt sie –
bis daß ein anderer kommt.

 

5.

Herrlicher Klang in der Luft
nie noch wußt‘ ich den Frühling
so stark, so siegend wie nun.

Gesang der blühenden Zweige,
weiß und kräftig vorm himmlischen Blau.
Leiser Ton von Rosa darin.
Ho ! wie glüht mir das Lied,
das weiße, der herrlichen Blüten,
kräftig gespreizt und fest hüllend
die strotzende Narbe.

Weiße, gesunde Natur,
umbadet von Reinheit des Blauen,
von rosigem Schaume behaucht.

Herrlicher Vögel Gesang,
Trillern hinauf und hinab –
Lenz, Lebens Fortissimo !

 

6.

Wie kann ich das Leben erhalten,
wenn ich mich vor die Schlünde taumle,
brüllende Todesschlünde
der zerschütternden Schlacht
im Grauen qualmenden Dunstes ?

Wenn die singende Todessäge der Garben
mein Fleisch zerreißt
und in Teile stückelt ? !
Rasender Wahnsinn !
Rasender Wahnsinn –

Oben – hoch,
aus einem Loch in der Luft,
singt eine Lerche.
Sie deckt mir mit ihrem
gotteinfachen Sang einen
Hauch des herrlichen Lebens
auf meine Stücken
und ruft und webt ein Gespinst
durchgoldeter Schönheit
auf mich herab.

Und mein leises Herz wird weh,
und es weint letzte Tränen
von Blut aus den Wunden,
stoßweise – matter –

So Lerche, so sing doch !
Ich will ja leben ! –
doch kann es nicht.

Da heule ich auf,
meine Nägel krallen die Erde :
Ich lasse Dich nicht, Du –

Sie schüttert.

Schwefelschwaden dünsten
giftigen Atem,
dunkle Gestalten rumpeln,
stampfen vorüber,
ein dreckiger Stiefel
tritt mir ins Gesicht –

Dreck ! Dreck ! Mist !
O was bin ich –

Nur ein Lied noch, Lerche .....
Ach – leben .....
O Menschen .....

 

7.

Ich singe das Trinken,
das Berauschen an Werten,
das Wachsen an Werten –
ich sing‘ die Persönlichkeit !

Das organische Wachstum sing‘ ich,
nicht erzwungene Organisation.

Ich donnere gegen den Zwang,
gegen die abgesteckten Straßen,
ich singe den freien Weg,
der über Euch, Herrschende, geht !
Hier flutet mein Sang,

und mein Herz ist rein –
wie mein Wollen.
Hinauf will ich ins Licht,
doch so, wie die Alten :
zweckmäßig und schön !

 

8.

Zwang, Dich verfluchtes
Gewächs des Bösen will ich
totsingen !

Alles, alles schreit unter Dir,
und der Staub malmt unter den
schweren Schritten der Armen,
die schon sterben –
aber müssen und müssen
noch laufen.

Und alles versinkt für sie :
die frühdunstige Klarheit,
das schwere, blinkende,
weiße Wasser,
der schmelzende Himmel
und das kristallne Geläute
der steigenden Lerchen darin.
Nur ein Fels, eine Fessel ist da
und preßt ihre Brust
und schnürt immer enger das Atmen,
daß das Blut in den Augen flimmert
und in den Ohren braust –

o ich fluche Dir, Zwang,
Du hast mir, wenn Du plötzlich
hinter einem Baume vortratst,
manch weichen Abend
im Mondschein zerstört
und die schimmernden Bäume,
die dunklen Schatten
und das rieselnde Mondlicht
schon oft mir verdorben –

ich kenne Dich,
drum will ich Dich
totsingen, Zwang !

Ich fürchte Dich Bösen,
mir schaudert‘s im Mark,
und ich spüre Dein Nahen im Nacken –
doch nicht hilft‘s,
wenn ich schreiend entfliehe –

totsingen - das will ich Dich !

 

9.

Auch Macht singe ich.
Ich glühe für sie
und möchte den Kitzel
hell in Euch schüren –

ich singe die Macht
über sich selbst !

 

10.

Vernunft ! –
das einzig Wahre für uns,
und das einzige,
was wir nicht haben !

Denn in kantigen Nächten
hat oft mein Hirn geschrien,
und das Grübeln mahlte
pfeffrigen Wahnsinn
und streute ihn teuflisch
in meine Seele.

Und das Grübeln zerrte
die Nerven herbei
und spann sie wie Fäden
auf seiner stachligen Spindel
zu einem blutigen Wust.
Heraus aus dieser Hölle !
das war mein Schrei.
Empor hob ich mich dann,
im Schweiße gebadet –
doch wundersam ruhvoll
ward‘s um mich her :
ich sah einen Weg,
der dünkte mir gangbar
und von Sonne beschienen.
Den ging ich nun.

Und jeden rief ich heran
und lockte, umwarb ihn –
doch stieß auf Sträuben
und Abwehr.

Ach – wußte ich nicht,
daß auch sie Wege gingen,
die ihren ?

Nun sing‘ ich Vernunft !
Immer wieder geht leis
sie verloren .....

 

11.

Es sei ein gewaltiges
begrenzendes Recht –

das Recht nur zum Guten !

das Recht gegen Böses !

Im Guten kann jeder sich finden,
das Böse sei allzeit verdammt !

 

12.

Klammere Dich nie
an einen Götzen
und sage :
Sie wollen ihn rauben,
jetzt muß ich ihn stützen !

Wenn Du das denkst,
dann wackelt er schon,
er war nur ein schlechter.
Drum lasse ihn fallen
und erwirb einen bessern !

 

13.

Ich singe das Offensein
ohne Falsch und Zwang.
Wenn hinüber und herüber
die Werte wechseln,

wenn der andre durch mich
hindurchgeht, erlösend.
Da ist kein Verschließen
und auch keine Angst,
daß man sich verlöre –

Freisein ist da
und nur Wachsen.
Selber bleiben
im anders werden.
Kein trocknes Verharren,
kein Stauben,
nein, gesundes Bewegen
und Wechseln.

 

14.

Gepriesen
der herrliche Mensch
im Wunder des
schöpferischen Handelns !
Wenn er aus Teilen, die
still er langsam gesammelt,
plötzlich mit federnder
Geisteskraft und
jauchzendem Herzen
die vollendete
Schöpfung schweißt.

Und da jauchzen die Vögel,
und die unendliche Haube
des Himmels klingt
im glaszarten Atmen
der Lüfte,
die Wege schwellen den
tanzenden Füßen entgegen,
und tausend verlangende
Ärmchen der Gräser
halten mich an dieser Erde.

O dieses Leben !
ich bin wie von Sinnen
vor dieser Schönheit !
Und da soll ich das
unbedingte Leben
nicht singen ??

Leben –
immer und zu allererst
und vor allen Dingen !
Erst kommt das Leben !

 

15.

Ach, welches Feuer in mir –
wie geistig hochgestimmt
bin ich,
und mein Herz ist mir
erhoben.
Ach, ihr Gespräche unter
zwei‘n oder mehr,
wie wachst ihr an euch
empor, eines am andern,
unmerklich wächst
der Gewinn.

Alles, was tot und fraglich war –
nun hat es Leben,
und selbst ist man sich
wieder bedeutend geworden
mitten im Wirrwarr der Zeiten.

Hoch und hinab hat‘s geführt :
hoch in seliges Atmen –
hinab in die Tiefen,
doch gründend, befestend.

Wenn Jeder im letzten
sich will –
des Gemeinsamen
wird er bewußt !

Ach, welches Feuer
in mir für Euch !
Ach, welches Feuer
in mir – für mich !

 

16.

Welche Fröhlichkeit
zieht durch mein Herz,
wenn ich meinen Wert erfahre.
Und wenn der Freunde
verhängter Rücksichtsblick,
mich lauthals preisend,
nicht schmerzt.

Denn immer war voll Trauer ich
bei Süßigkeit und Wein,
und jeden glüh‘nden,
blüh‘nden Kelch
genoß ich schweren Herzens.

Nun aber, nun quillt Himmelslust
mir in der Seele wieder,
und meine ganze sel‘ge Brust
ein Brunnen voller Lieder.
Die Weite schwellt in Seligkeit
zu fernen Horizonten,
die Zukunft offen und so weit,
das Glück lockt aus den Ponten.
Die feinste Brise säuselt stark,
kommt drängend hergezogen –
mir bebt die Lebenslust durchs Mark,
ich jauchze in die Wogen.

 

17.

Auch die Samstagsruh liebe ich
überfließenden Herzens.
Die ratternden Wagen ins
bergende Rund des Hofs
und die zufriednen Gesichter
über des Tages Vollendung,
die zueinander neigenden
Herzen der Menschen.
Das lustige Geklapper
der Holzpantoffeln
fegender Mägde vor Türen.
Den muntren Zuruf der Knechte
in dunklen Ställen
in Erwartung der Freuden
des Sonntags.
Das zufriedne Vieh,
schnaubend und brummend
im warmen Stall.

Das kleine Mädchen auf
stillruhender Straße,
die Puppe an einem Beine
hinter sich ziehend
und niedlich-versonnen
den Finger am Näschen –

Ach ja, ich brauche nicht
sinnen,
nur singen will ich,
nein – jubeln, still in mir –
Ihr werdet‘s an meinen
Augen ersehn.

 

18.

Da ist die endlose Weite,
die Nacht in seltsamem Blau
mit dem Monde darin,
dem schwimmenden.
Das weiche, schmiegende Licht !

Wenn im rauchlosen Ziehen
die Wolken am Monde
milchen.

Die Weite liebe ich,
endlos nach hier wie da.
Wie ich, die Jacket-Ecken
zurückgeschlagen,
die Hände in Taschen,
beseligt atmend
durch Straßen wandle :

Da wird das Pflaster zu
weichem Samt,
und die Winde wehn lind
unter dem Zauberer
Leben !
Ach, wie ich atme !

Nehmt es nicht als Romantik :
Ihr betrügt Euch,
betrügt Euch selbst mit
diesem Urteil,
und ich singe :
Ich bin kein Romantiker,
ich bin einer,
dem‘s ernst ist !

Wollt Ihr nicht auch
für ernst genommen sein ?
Seid es !

Ich singe die endlose Weite –
weit hier wie da
und überall gleich.

Aber ach – Ihr !
sogar Ihr Apostel,
hört nur, wie Ihr so eng seid !
Eng, eng, eng !

Ich will die endlose Weite,
die Einheit in aller
Vielzahl !

Gott preise ich !
Und Ihr –
preiset Euch !

Seht doch den Mond
überm Dach !
Ach, diese Weite der
Welt ......

 

19.

Sieh doch die Blumen
überall und den
leuchtenden Herbst,

der so weich ist,
und der mit seinem
verhaltenen Himmel
sanft Dir das Atmen drückt
voller Lust.

Und die Erde zerbröselt
weich und lau
und verlockt in
verhaltenem Braun,
sich an sie zu schmiegen
in letzter Seligkeit –

ach, Herbst, auch Du
Wunderbarer !

 

20.

Unentwegt
erschalle mein Lied,
unentwegt für das Reine,
das Gute !
Und ich sing es
mit offenen Augen,
wenn mich das Leben
hier und da faßt,
wie ich, mich suchend,
hie und da halte
und verliere den Blick
nicht.

O ihr Winde, umbraust mich,
was wäre sonst das Leben,
wenn ich in staubiger
Enge nur hockte
und von dort mein
künstliches Gebiß zum
mahnenden Murmeln
bewegte ?

Nein – frei sein ist
rein sein !

Frei in den ständigen Werten,
nicht im stickigen Kasten
wächst die gesunde Blume,
unterm Wechsel
natürlicher Wittrung.

Doch über allem sing ich
unablässig das Gute.

 

21.

Geht nicht vorüber !
Findet nicht abfällige Worte !
Und gerade Ihr, mit den
aufgeblasenen Mäulern !
Wenn man den Wanst voll hat
und hat das süße Blut des
Herrschens einmal gekostet –
der spuckt : Land des
ästhetischen Scheins ! –
und lacht nur
verächtlich.

Komm doch herein, Du,
komm her und fülle
den prahlenden Schlauch
des Scheins Dir mit Sein !

Schon der Versuch macht
Dich mutlos,
und schlimmer – er macht
Dich nur fälschlich erhaben !

 

22.

Denkt nicht, Ihr Gelben,
Ihr voller Mißtrauens
und ohne Mark in der Seele –
Ihr würdet mich los !

Nie, niemals will ich
das Gute verlassen –
oder ich sei mir
selber zum Ekel !

Standhaft sein,
hier wie dort, ganz gleich
in welchen Landen
auch immer !

Das Gute spricht alle
menschlichen Sprachen.

Man wird mich verstehen,
und ich werde mich
in dieser Sprache üben,
werde sie sprechen,
weil ich es will !

 

23.

Ich will alle ! Will alle,
so wie ich mich ganz will,
so will ich alle ganz !
Nur Euch will ich nicht,
Euch Falsche !
Wenn Du gerade in
diesem Augenblick
diese Sätze liest –
obwohl ich nicht weiß,
wer Du bist –

meine nicht, ich sähe
nicht in Dein Herz !

Ich habe ja meines –
und weiß keinen besseren Quell
eines Wissens.

Ich weiß,
wie die Lust kommt,
ja – die Notwendigkeit,
sich in leuchtendsten
Farben zu schildern,
wenn das Innen
versumpft ist !

Ich kenne die
wohltönenden Münder
der stinkenden Seelen !
Die Apostel und Priester,
die Wasser salbadern,
doch den Wein
in Strömen verschlampen.

Ich sehe in Dein Herz –
und ist es faul –
hinweg von diesen Versen !
Doch –
gib Dich nicht auf !
Sinne auf Rache nicht
aus gemeinstem Zorn !
Sondern kehre zurück.
Aber eines fordere ich :
Habet Willen zum Wollen und –
werdet gut !

 

24.

Und denkt nicht,
ich kennte es nicht,
das ziehende Dunkel,
dem man mit dumpfem
Kribbeln verfällt,
doch verfällt.

O ich kenne es –
doch gerade darum
werd ich mich
drüber erheben,
und gerade deshalb
verdamm ich
das Böse so stark !

 

25.

O Wasser –
köstlichster Stoff !
Silbern und spritzig,
kristallen in frischester Reine.
O wie labend –
sauge ich Dich
durch meine Augen,
daß Dein kühler, wonniger Hauch
mir meine Seele wäscht.

Wasser – so einfach –
und ein Wunder an Größe.
Meine Hand zuckt
hinein in den Strahl,
und höher aufläutend
stäubt der Strahl feiner
und kühlt mir die Finger
und koset die Haut und
beruhigt die Seele.

Komm öfter, o Wasser,
in dieser Zeit !
Wir brauchen Dich, Wasser,
um uns zu säubern !
Du hast die Kraft und
das Wunder der Stärkung –
komme, o Wasser,
wie jauchz‘ ich Dir zu !

 

26.

O heiliger Wille –
erlahme dem Bittenden nicht !
Denn Du bist göttlich !
Komme mir, Du,
allein Dich erbitt‘ ich !
Allein Dich.

Ich hab‘ noch vor
keinem Altare
in Ehrfurcht gelegen.
Ich lachte, als mich
der Priester segnete,
als seine Hand mir,
die gütig-runzlige,
in seltsamen Strömen
durchs Haar ging.
Ich lachte.
Ich mochte den
betäubenden Ruch
der Kerzen nicht,
alles, alles legte
sich auf meine Brust
wie bleierne Reifen.
O wie stürzt‘ ich
in die weichen Arme
des sonnedurchfilterten Aethers,
wie koste mich die freie
herrliche Luft !
Vor keinem Altare noch
lag ich – ich war
ein mißratenes Kind,
ich bin es –

doch heiliger, göttlicher
oder wessen Du bist,
Du Wille :
komm‘ zu mir !
Dich erbitte ich
ohne Kniefall, doch umso
inbrünstiger :
Heiliger Wille zum Guten,
daß Du mir nie erlahmst !

 

27.

Ich will singen –
für Euch !
In heiligen Stößen quille
der Sang auf die Lippen
klar und rein mir,
und köstlich !
Er gebe Euch Kunde,
was in mir geschah.
Er sage Euch,
was ein Menschenherz
durchbebt,
was ein Menschenhirn
durchrädert.

Mein Sang sei
die Kunde :
nehmt ihn, durchbebt,
so wie er gegeben !
Mein Sang werde Tat ! –
dafür will ich am
schönsten singen .....


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