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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Meditationen

Doch : Gott wissen allein -
ist noch keine goldene Hand,
die sich Dir rettend gibt.
Noch stehst Du einsam, verloren auch,
ein hilfloses Kind in dem öden Grund,
und mit entbrochenem Aug
taucht die Verzagtheit
hinab in Dein Herz.
Wie soll ich hinauf,
wie überwind ich
die riesige Höhe ?
Wer wirft mein sehnendes Fleisch
hin, über den gähnenden Graben ?

Bis hier nun bist Du gekommen, o Herz,
und es müht sich der Weg durch die Jahre.
Doch was gält's Dir,
wenn Du nur dort,
wo die Zinnen winken des goldenen Ziels,
wenn Du nur dort erst weiltest :
der müde Fuß der Seele,
wie wird er vergessen sein,
wenn Du stehst in der goldenen Burg.

Aber zwar schön sind die Mauern
und golden
und funkeln im Glanze der Höhe -
doch höher
dehnt sich der Himmel und -
sieh dem Turme nach :
ist er nicht wie ein Schrei ?
Da steht er, erstarrt wie Du selber,
Du Müder, der Labsal erhoffte
und der Erfüllung lebendige Speise,
da steht er,
versteinert wie Du und
sehnt dem Himmel sich nach.

Was alles bautest Du,
hohe Gerüste, siehe -
sie reichen doch nie und -
schon schwindelt's Dich
und Du senkst
verzagt nun Dein Haupt.

Ob ich nun daure ?
Ob ich die ewige Form in mir prägte ?
Ob auch ich mich verbrannte
am sündigen Fleisch ?
Ob ich hinweg muß,
gelöscht von dem wachsamen Finger
Gottes ?
Ob ich die Prüfung bestand an der Welt -
oder ob ich zu leicht, zu schwach
zerstäubte an ihr wie ein Gas :

Er ist ! - ach,
wenn ich ihn nur
im Untergang weiß.

 


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