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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Teilhabe

Er kann sich nicht hineinverlieren
in einen Teil des Alls, in mich, in Dich,
in irgend eins der Tiere, in Pflanzen.
Denn er ist Gott, er muß
über den Dingen sein und wachen.

Was willst Du, Mensch, was forderst Du ?
Willst Du denn Gott sein,
der sich außen stellt ?
Willst Du den Gang der Welt
für Dich in Anspruch nehmen ?
Ist nicht, wofür der Mensch
sich hält, zu groß ?
Zu der Erkenntnis mußt Du Dich bequemen.

O kenne Dich, Du Teil des Geists,
der ganz zu Gott gehört.
Was das für Größe Dir verheißt,
der Du dem Ew'gen angehörst.
Doch bist Du eingebunden
in irdischen Verfall,
nur so bist Du.
Mußt Deinen Leib
nicht gar zu ängstlich lieben
und darfst den Blick
vorm Tode nicht verschließen.
Denn auch der Stoff ist groß,
ist unendlich und ewig.
Der Gott muß Dich vergehen lassen,
denn Du, ein Teil, bist nötig
für die Harmonie der Welt,
die nur Bewegen, Tod, Vergehen
in der Waage hält.

Du bist so wenig, bist so nichts,
daß aus dem Kreise Du genommen werden könntest,
es sei denn Du wärst Gott -
und selbst noch der,
der ist in allem und stirbt und wird.
Und doch bist Du so viel,
daß Deine Wenigkeit
zum Gang des Alls notwendig ist.

 


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