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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Berufung

Laßt mich den Weg der Wahnsinnigen gehn -
daß die irrende Welt geheilt werde,
am Ende, über dem Berg.
Denn der Weg schleicht bleich
durch das Land,
müde tappen die stockenden Schritte,
und die Haferfelder rauschen
verbrannt um mein Hirn.

Ach, staubige Fluren,
Schwärme von staubigen Tüchern
fliegen auf unterm Tritt
und drücken und drücken
mir trocken
den atmenden Hauch.

Aber laßt mich gehn,
laßt mich, ich will nicht spotten
Eurer blutigen Lust auf dem Feld,
und ich seh die Erschlagenen
der Lust
aufgedunsen am Bache,
und Finger hetzen mir nach
und es geifert :
Haltet den, daß auch er leide
die Not !

Aber, Leute, so laßt mich -
wißt Ihr nicht, daß nach droben
noch weit, noch weit sich der Weg schlingt,
und immer komm ich durch
Felder
und immer lauern die
Menschen -
doch immer kann halten mein
Fuß nicht,
und es tickt unaufhörlich mein Stock.

(7.7.1956)

 


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