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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Aufbruch

Öffnet die Fenster, daß der wartende Regen -
Sieh ! wie die Woge sich drängt vor dem Glas !
Der Blätter grünendes Wogen, Bewegen,
die laufende Welle des Winds übers Gras -
daß sie hereinström‘ über die Mauern,
hin durch die Köpfe, trocken, verdorrt !
Und von ihr trink Gewißheit vom Dauern
hinter dem schwellenden Himmel dort.

Wie Wolkenbäusche, trächtig von Fülle,
schwer in den Wassern des Himmels sich blähn
und durch des Sturmes Rauschen ganz stille,
schwer aber stetig, wohin, wohin gehn ?
Immer, in allen Lebensgestalten
arbeitet zäh ein witterndes Ziel -
stoß sie herunter, die dörrenden Alten,
laß Dich enttreiben ins lockende Spiel !

Spanne die Segel des Herzens zur Flagge,
daß der Hauch des Seins in sie greif,
wenn Dich die Faust des Schicksals erpacke,
daß sich Dein Rücken jauchzend versteif !
Daß die Ewigkeit über dem Wogen
vor der hellsichtgen Sehnsucht ausliegt -
auf ! die quirlende Spur nun gezogen,
auf ! daß Dein Nacken mit Adel sich biegt !

Goldene Inseln dann hoffe zu schauen,
früh, wenn in Röte der Morgen erblüht,
mittags, wenn in der Hülle des Blauen
weiß im Goldglanz vorüber es zieht.
Ewige Jugend steigt nur aus dem Meere,
lächelnd wiegt sich das schwanene Herz -
ach ! es treibt wie ein Kork ohne Schwere
und segelt beseligt himmeleinwärts.

(12.6.1956)

 


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