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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Nachtkerze

Denn die Purpurschatten des Bluts
aus den satten Blauheiten
weicher Nächte
locken wie Rosen,
aber ach -
diese Süße
ist berauschender Wein.

Wie es die Glieder durchlockt
unterm Strahl dieses Bilds -
und die Menschen
tanzen wie Puppen.

Dort aber, fern, wo der Fluß
einsam sich durch die Hügel trägt,
und die Nacht schweigend mit sich
auf den Kuppen hockt,
und wo vom kreidigen Ufer
die Gebüsche blinken
und die Wasser hochmurmeln –

da sind die Felder des Monds,
und aus Millionen Blüten
singt die silberne Reinheit und
nur die Sterne wüßten noch Antwort -
aber die schweigen.

Magie der Nacht hier.
Wie saugst Du mit kühlem Mund
mir am Herz
und rufst -
und ich falle, ein schwarzer Klotz,
in das stammelnde Schaun.

Mein erstreckter Finger
tanzt durch den Mond -
aber höher, höher ist der,
und wie find ich ihn, wie,
wo ich schon schwindle
am Seile des Blicks.
Baust Du die Welt und Dich
ganz im Herzen mir auf -
und machst, ich kann Dich umschließen ?
O seliger Kuß in die Seele,
o göttlicher Mund ?

(12.6.1956)

 


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