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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Der Fant

Sieh - wie er schreitet,
auf hölzernem Kothurn.
Laut kracht der Absatz
auf steinernem Boden.
Und laut schreitet
und nichts wie laut nur
sein Herz.
Hoch wölbt sich unter
dem glitzernden Frackhemd,
überheblich geschnürt,
die husarische Brust.
Da ihn nicht achtet
die dümmste der Welten,
schlägt er sich selbst
den beifälligen Schall.
Hallend schlägt's
überm Kopf ihm zusammen,
läuft bald, spiralig
sich drehend, voraus,
wölbt sich zu Hallen,
durch die er hinschreitet,
rinnt von den Wänden
als Hall wieder ab.
Tausend kristallene Augen,
so meint er,
lauschten ergriffen
dem herrlichen Tun.
Doch er will sie
gar nicht beachten,
er verleugnet sie sich -
und fühlt sich erhöht.
Verächtlichkeit spielt er
auf bläulichen Lippen
und schreitet hallend
durch die Phantasie.
Wie er denn gleich
unter wirklichen Augen
klägliche Angst wird
und wütender Neid.
Wie er gemein wird,
sobald nur ein Urteil
ihm seinen Nebel
der Einbildung fraß.

CD

 

 


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