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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Der Einsame

O Himmel, schenke den Freund mir,
den verstehenden Freund,
der den Himmel mir aufschließt,
das Erkennen, wer ich sei,
daß ich geblendet schau
in den Glanz meiner Gewölbe,
in die nur, verbittert in Einsamkeit,
ich noch hinabsteig,
in ihnen, trottlig und murmelnd,
gebückt umhertappe,
mit dem Licht in der Hand
und suchend, mit dunkelem Blick,
während die Schwärze der Finsternis
aus tausend Rachen herstarrt
und mit sphinxischen Augen
mich, schaudrig, durchbohrt
und aushaucht den
eisigen Atem des Nichts
über mich.
Und ich murmele vor mich hin
wie ein Geizhals,
der mit gierig funkelndem Blick,
verschlossen in sich,
die Schätze zählt :
wiegt hier einen Stein,
steht dort wie gebannt
vor dem Wunder,
das sein magischer Kerzenschimmer
in gestirnten Blitzen
aus einem Demanten, lockt
und mein Herz schwingt hallend
in einem Dome der Atemlosigkeit,
und ich glaube, es wäre gut,
jetzt sterben zu dürfen.
Denn die Himmel stürzen
in Blöcken in mich -
und ich umfang sie.
So geh ich gebückt
und bin doch so bitterlich einsam,
und immer mein ich,
ich stürbe vor Gram.

(5.12.1954)

 


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