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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Wandlungen

Ein Nichtsnutz war ich,
ein verlorner Träumer.
Ich sah den Spott nicht mal,
der zischelnd mich umzüngelt.
Und spürt ich ihn,
wand ich mich taglang auf der Pritsche
und schrie in stummer Qual.
Und draußen donnerte die Arbeit.
Und schließlich ward ich felsenhart
und stählerne Entschlossenheit
und ging mit vorgeschobnem Kinn
durch alle Spötter hin
und wußt mein Ziel -
und wollt es ihnen weisen.

Ach, diese Wollust, wenn ich dann
staunende Augen sehe,
vor ihnen, Herr und Meister, stehe
und sie in Ehrfurcht knien
vor meiner Kunde,
und ich nur Rücken seh,
so weit die Runde.

So, mit verwöhnt-geschärften Ohren
ging ich hin - und lauschte wieder,
hörte die Gräser knipsen,
wenn sie sich entfalten,
die Vögel schreien,
wenn sie nackt und hungrig sind.
Ich lauschte auf den Wind,
ich schauderte im Sturm,
ich sah schlängelnden Wurm
durch meine Seele gleiten.
Ich sah weinende Weiden,
uralte Dunkelheiten.
Ich schwebte kreischend als
Seevogel überm Meer,
war ein in Staub und Schweiß
und Blut dünstendes Heer.
War der Bedrückten Wut,
war bös und gut -
und als es plötzlich klopfte,
erwachte ich und fand -
ich sei ein Mensch.

Nun lieg ich unter Dir.
Seh Deine Zeichen aufgestellt,
daß mir der Odem bricht,
und muß Dich preisen -
doch ich möcht es nicht.

 


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