[Homepage] [Übersicht Gedichte 1950-60]

Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Winterschlaf

Schlafen, schlafen muß ich.
Denn der Winter klirrt draußen
durch die Scherben der Luft,
und die Säfte ziehn sich nach innen,
wie der Igel in seine Stacheln schlüpft.

Jetzt ist das Bett warm.
In allen Höhlen sammelt sich Dunkelheit,
und die Wesen sind wohlig
in ihrem eigenen Dunst.

Draußen steht die Kälte
wie ein kühl schimmerndes Milchglas im Mond.
Der tanzt seinen Schwertertanz.
Tote Wesen nicken ihm starr Ergebung.

Schaudernd rühren den Schlummernden Ahnungen an.
Ein Blitz seiner Augen nimmt schaudernd
etwas davon mit
in die spiraligen Tiefen
seines Versinkens.

Dann kommen maienwarme Bilder
vor seine Seele.
Stille, ruhige Mädchen,
braun und voll schweigender Liebe das Aug.
Die sind in ihren Augen nur,
und die hängen aus bescheidenerm Hintergrund
nur an ihm.
Und Weichsein ist da.
Zarte weiße Glieder, zerbrechlich fast,
nur gestaltet aus weicher Berührung,
in die sie, wie Wolken, zergehn.

Schwingender Tanz,
Hügel im Mai voll Butterblumen und Grün -
und wie vom Turme geht's
nur ins Blaue hinaus,
das seidenweich rauscht.
Und die Sonne schlägt tollend ihr Rad.

(Januar / Februar 1954)

 


[Seitenanfang] [Homepage]