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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Schwiebus

Die Dämmrung spielt herab.
Die Bäume duften durch den Abend.
Die Luft ist lau.
Die Straßen liegen schlafend.
Nur leise surrt mein Rad,
und nur ein schwacher Schein fällt zitternd
von der Lampe.

Vor Häusern, in den dunklen Fluren
sitzen Menschen, dunkle Flecken,
und plaudern leis.
Nur ab und an ein glucksend Lachen,
dann wieder still.
Aus einer fernen Straße jetzt ein
Mädchenkreischen durch das Dunkel,
und nun die Felder um mich –

das Getreide, halb erwachsen
und dicht in seinem fetten Grün
und drüber blaue Dunkelheiten.
Die Käfer surren durch die Luft,
und aus den Gärten wogt der
Ruch der Bäume,
die bleich und schimmernd
still dastehn.

Und wieder Ruhe über allem.

Nun geht's hinab in Baches Niedrung,
und Kühle schauert durch die Glieder,
und Nebel liegen weiß und kalt.
Ich trete zu wie angetrieben,
milchig tanzen im Schein der Lampe
die Schwaden -
dann bin ich hindurch,
den Berg hinan,
lau wird die Luft,
und wieder duften süß die Linden –

und überm Berg hängt in den Pflaumenbäumen
gelb der Mond.

(1953)

 


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