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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1948 - 1950) - Eine Auswahl




Spaziergang

Hier geh‘ ich diesen Weg :
Zur Rechten schwingt sich
eine dunkle Mauer
schwarzen Gewirres und Geästs –
links brüten dunkle Gärten,
aus einem Winkel fließt,
in Resten nur noch,
eine Trauerweide –
es riecht nach Asche.

Die wirre Riesenhecke rechts
fliegt weit voraus, hinauf
bis vorne, wo im Nebelschleier
eine Laterne tanzt.

Dies Flimmern !
Hundertmillionste Teilchen,
ach – hundert !
in stetem Flimmern,
Zittern und Vibrieren,
so wie die blaue Nacht
in jenen schwarzen Stümpfen
und drahtenen Ästen pulst.

Es braust und pulst in mir,
mir in den Ohren,
jagend, schlagend, flimmernd –
Die Feuchte schauert mir
ins Antlitz, flimmernd,
ich selbst zerschwinge !

O, das ist Ur !
ist ehe, ist danach –
ist alles !

So also bin ich.

Dieser Flimmerschleier erhält uns,
nur der Nebel !
(Was ist der Äther anderes ?)
Und auch hinaus, hinaus,
dahin, wovor sich selbst
kühnste Gedanken bäumen :
ich ahne Flimmern,
großes, ewiges.

Und Du, mein Herz,
Du sehnst Dich oft nach dort
von hier hinaus,
das Neue reizt und – ach,
das Alte würfe man
nur immer allzu gerne
von sich ab,
weil fahl und abgeschmackt.

O Tor, Du bleibst nur
immer gleich :
auch wenn Du hier verstummst,
als Mensch –
bald reihst Du Dich
in jenen Tanz der Teilchen –
und lebest flimmernd fort.


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