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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1948 - 1950) - Eine Auswahl




Märchennächte

Siehe die silberne Nacht !
Wie Fahllicht von den Firsten rinnt,
wie‘s über Blätter rieselt
und über Erde sich ergießt.

Der Himmel – zerrinnender Samt.
Er zerrinnt vorm nahenden Schritt
ewig in Tiefe
und bleibt ewig weich.

Das sind Märchennächte.
Aufgelöst schwebt schwerelos das Sein.
Auch Du berührst den Boden nicht.

Der laute Tag rinnt ruhig nun
im stillen Strom der Märchennacht.
Kein rauher Ton reißt Dir im Ohr.
Alles ist Ruhe, Harmonie.

Du lehnst am Fenster, atmend,
schaust hinaus :
Du hörst den Strom der Stille gehn,
Du bist in ihm gelöst,
wirst mit hinfortgetragen,
hinfort,
dem Tag entronnen, ach –
und voller Jubels ist die Brust.


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