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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1948 - 1950) - Eine Auswahl




Und immer wieder .....

Und immer wieder
ringt sich meiner Seele
ein Staunen ab,
das ist so weit und groß
und Dir gerad gerecht,
und Deinem Raum,
Mutter Natur.

So staunend wie ein Kind
zu seiner Mutter auf-,
und das in Ehrfurcht, sieht,
so werden meine Augen mir
auch immer unverwandt
und klar und unersättlich
das trinken,
was sie sehen.

So ging ich auch
und stieg hinauf –
und stand auf hohem Berge,
sah ins Tal :
Es war so schwül,
so eng
und dunkel –

Da war ich wieder
klein und bang
und konnte plötzlich bitten
wie ein Kind :
Ach, bitte, liebe Sonne, scheine,
bitte –
und hab‘ dabei zum Himmel
treuherzig aufgeschaut –
und siehe :

Licht brach auf !
Und aus dem Wolkendunkel
fielen blaue Berge,
dunkle Wälder
so auf den Horizont hernieder
und standen herrlich da
in all der Farbenpracht des Maien,
die einmal ist,
unwiederbringlich,
und die den Künstler
stets aufs neu‘ beschämt –
und ihn zum Kinde macht.

Wie schlugen Blüten
über aller Welt zusammen !
Fast schien sie in den Wogen
des Frühlings zu ertrinken,
zu versinken,
versinken zu wollen –

Und ich darin, ein Kind,
versank gleich ihr.


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