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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte (1948 - 1950) - Eine Auswahl




Ein Gang

Es war so schwül.
Bäume und Sträucher schienen
zu stocken,
wie alle Dinge.
Die Luft lag dick und schwer,
wie zornig, in den Niederungen,
und einiger Birken
grünlich-blauer Wipfelfall
floß träge nieder.

Mir war so weh,
leer – oder übervoll ?
Wie immer wußt' ich’s
nicht zu sagen.

Der Hügel zog mich träg‘ hinan,
zum Greifen unter mir,
der ich gebückt schritt,
lag die Mutter Erde.
Bei jedem Schritte
zog sie ruckend
sich hinter mich zurück –
da wallte ich so wehe auf :
Ihr wollt‘ ich mich entgegenwerfen,
wollt‘ mich in sie verkrallen,
den Aufschrei meines Herzens wollt‘ ich
in ihr ersticken –
doch hätte dann nicht
diese ganze Welt
davon noch widertönen müssen ?

Dann aber haben wohl
die Lerchen doch zu schön gesungen.

 


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